Vortragsabend zum Thema „Potenzial der Nienburger Heilquelle“ 
Nienburg. Zahlreiche Gäste verfolgten am vergangenen Mittwochabend, 6. Juli, im gut besetzten Wesersaal drei Vorträge zum Thema „Potenzial der Nienburger Heilquelle“. Dirk Fennekoldt, Inhaber der Mittelweser Heilquellen GmbH sowie der Wöltjen-Gruppe, begrüßte das Publikum und ging auf die Historie der auf dem Gelände des Ganzjahresbades Wesavi im Jahr 2013 gefundenen Heilwasserquelle ein.
Die Mittelweser Heilwasser GmbH vertreibt seit dem 1. Mai 2015 ein Dosierspray als zugelassenes Medizinprodukt der Klasse 1 zur äußerlichen Anwendung unter dem Namen NIHQ. Bei dem Wasser aus 170 Metern Tiefe handelt es sich um ursprünglich reines, sehr gut geschütztes, mikrobiologisch unverdächtiges, sehr altes Wasser aus dem Pleistozän (älter als 25 000 Jahre) und stofflich um eine achtprozentige „eisen- und jodhaltige Natrium-Calcium-Chlorid-Sole“. Zum Einsatz kommt es bei der Hautpflege und zur Behandlung von dermatologischen Beeinträchtigungen wie beispielsweise Neurodermitis, Schuppenflechte oder anderen entzündlichen und nicht-entzündlichen Hauterkrankungen sowie bei Gelenk- und Muskelbeschwerden. Derzeit würden klinische Testungen durchgeführt, mit dem Ziel der Zulassung von NIHQ Natursole Heilquellwasser als Arzneimittel. Neben dem Spray ist auch eine Gesichtscreme mit NIHQ-Heilwasser erhältlich.
Aus der Tabelle geht hervor, wie groß die Unterschiede hinsichtlich der inhaltsstofflichen Zusammensetzung von Trinkwasser, Mineralwasser und dem Heilquellwasser aus Nienburg sind. Quelle: MWHQ / Prof. Dr. Homrighausen
Aus der Tabelle geht hervor, wie groß die Unterschiede hinsichtlich der inhaltsstofflichen Zusammensetzung von Trinkwasser, Mineralwasser und dem Heilquellwasser aus Nienburg sind. Quelle: MWHQ / Prof. Dr. Homrighausen

Dietrich Volger, Marketingverantwortlicher der Mittelweser Heilquellen GmbH, moderierte den Abend und begrüßte als ersten Gastredner Prof. Dr. Reiner Homrighausen, Vizepräsident der Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien e.V. (Neustadt a. Rbge.). Der Geologe erläuterte in seinen Ausführungen die Entstehung des Heilquellwassers. Beeindruckend war die Gegenüberstellung der Inhaltsstoffe von Trinkwasser, Mineralwasser und dem Heilquellwasser. So beinhaltet beispielsweise Trinkwasser 13,2 Milligramm (Mg) Natrium pro Liter, bei Mineralwasser aus einer Quelle bei Bremen seien es 19,1 Milligram pro Liter, das Heilquellwasser weise einen Wert von 21.400,00 Milligramm pro Liter auf. Bei dem Inhaltsstoff Chlorid würde das Mineralwasser einen Wert von 10,9 Mg pro Liter hervorbringen, das Heilquellwasser komme auf 48.400,00 Mg pro Liter. Insbesondere der hohe Jodid- sowie der Bromid-Gehalt der Natursole würden das Heilquellwasser besonders wertvoll machen. Prof. Dr. Homringhausen verglich das Nienburger Wasser mit dem des Toten Meeres, dem bekanntlich eine heilenden Wirkung zugeschrieben würde.

Nach diesem Vortrag präsentierten Jana Rott, Catherina Cyriacks und Nathalie Lentzer ihre Ergebnisse. Die Studentinnen der „Internationalen Studiengänge für Tourismusmanagement“ und „Angewandte Freizeitwissenschaften“ an der Hochschule Bremen haben mit drei weiteren Kommilitoninnen eine Projektarbeit  zum Thema „Markt- und Potenzialanalyse der Nutzung der Nienburger Heilquelle zu touristischen Zwecken” umgesetzt. Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Frage danach, ob Nienburg als Kurort mit Heilquellenkurbetrieb in Frage komme. In ihrem Referat gingen die Studentinnen auch auf andere Kurorte und deren Gästezahlen ein. So habe beispielsweise Bad Füssing (Bayern) bei einer Einwohnerzahl von 6970 eine Gästezahl in Höhe von 2.396.600 Übernachtungen. In Bad Nenndorf (Niedersachsen) seien es 188.049 Übernachtungen bei 10.500 Einwohnern.
Diese Visualisierung von Dipl.-Ing. Marlene Annette Edzards (Architektin FH) zeigt, wie die Weserterrassen im Hinblick auf einen Heilquellen-Kurbetrieb umgestaltet werden könnten. Visualisierung: Edzards
Diese Visualisierung von Dipl.-Ing. Marlene Annette Edzards (Architektin FH) zeigt, wie die Weserterrassen im Hinblick auf einen Heilquellen-Kurbetrieb umgestaltet werden könnten. Visualisierung: Edzards

Die Präsentation beinhaltete auch eine Visualisierung von Dipl.-Ing. Marlene Annette Edzards (Architektin FH), die zeigt, wie zum Beispiel die Weserterrassen in unmittelbarer Nähe zur Quelle im Hinblick auf einen möglichen Heilquellen-Kurbetrieb umgestaltet werden könnten. Das Ergebnis machte deutlich, dass die Weserstadt die grundsätzlichen Voraussetzungen mit sich bringe, allerdings müssten noch einige wichtige Bedingungen erfüllt werden. Die Projektgruppe der Hochschule Bremen schlug vor, ein Ziel zu setzen, wann Nienburg Kurstatus erreichen könnte. Hier böte sich das Jahr 2025 an, wenn Nienburg 1000 Jahre alt wird.

Auf die Zulassungsbedingungen ging Dr. Axel Rogge von der Niedersächsischen Anerkennungskommission für Kurorte in seinem Vortrag ein. Wichtig sei zunächst die staatliche Anerkennung als Kurort. Diese Anerkennung unterliege strikter Regeln, verlässliche Gutachten seien notwendig. Das Hauptkriterium, um Kurort zu werden, sei mit dem Vorhandensein eines Heilmittels in Form des NIHQ Natursole Heilquellwassers schon erfüllt. Dr. Rogge sah eine gute Chance für Nienburg als „Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb“. Dietrich Volger betont abschließend: „Wir freuen uns, dass wir unseren Gästen eine hochkarätige Veranstaltung mit fundierten wissenschaftlichen Vorträgen bieten konnten. Weitere Veranstaltungen sind in Planung.“

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