Freitagnacht. Ein Schrei. „Da ist ein Baby!“ Die Mitarbeiter der Fast-Food-Filiale sind in der Zwickmühle: Was sollen sie tun mit diesem alleingelassenen Neugeborenen? So beginnt das Stück „Phantom – Ein Spiel“ des bekannten Autoren-Duos Sarah Nemitz und Lutz Hübner. Das Theater für Niedersachsen führt das Schauspiel am Dienstag, 10. April, um 20 Uhr im Nienburger Theater auf dem Hornwerk auf. Für alle Interessierten gibt es ab 19.30 Uhr eine Einführung im Theatersaal.

Als die Spätschicht-Mitarbeiter eines Schnellrestaurants beim Aufräumen ein ausgesetztes Baby finden, beginnen die Fragen: Wo kommt es her? Wer hat es da hingelegt? Vielleicht war es diese einzelne Frau, die vor ein paar Stunden kurz auf der Toilette verschwunden war? Sah die nicht „roma-mäßig“ aus?

Und schon sind sie mitten drin: im Erfinden einer möglichen Geschichte, in einem Reigen aus Fantasie, Erwartungen, Zuschreibungen, Vorurteilen, Klischees und Wünschen. Schnell bekommt diese Frau, das Phantom, einen Namen: Blanca. Aber wo kommt sie genau her? Ist sie nun Romni oder nicht? Ist sie freiwillig hier oder wurde sie gezwungen? Wo wohnt sie? Geht sie betteln? Und wie kommt sie zu dem Baby?

Von Moment zu Moment suchen sie gemeinsam danach, wie es gewesen sein könnte. Spielend empfinden sie nach, wie Blanca – vielleicht – lebt, den zehrenden und tristen Alltagskampf einer Arbeitsmigrantin in Deutschland. Dabei sind sie sich nicht immer einig, dann gibt es verschiedene Versionen einer Situation. Und sie können ihren eigenen Ressentiments nicht ausweichen. Vor allem die Vermutung, Blanca könnte Romni sein, setzt Vorurteile frei, die in unserer Gesellschaft seit Generationen fest verwurzelt sind.

Am Ende werden sie die Geschichte einer klugen und starken jungen Frau erzählt haben, die mit Nichts in Deutschland ankommt und sich allen Widrigkeiten zum Trotz mit Würde, Arbeitswillen und Zielstrebigkeit legal durchschlägt, um für sich und ihre Familie eine Zukunft aufzubauen. Realitäts-Check? Oder doch nur ein Märchen?

Sarah Nemitz und Lutz Hübner schreiben seit 2001 gemeinsam Theaterstücke, die mit Preisen ausgezeichnet, übersetzt und in aller Welt gespielt werden. In Deutschland sind sie zur Zeit die meistgespielten zeitgenössischen Theaterautoren. Sie widmen sich zeitkritischen Themen, die sie nah am Alltag und ohne zu moralisieren, stattdessen witzig und ungeniert leichtfüßig dramatisieren.

Karten sind erhältlich an der Theaterkasse im Stadtkontor, Kirchplatz 4 in Nienburg, Telefon (0 50 21) 8 72 64 und 8 73 56, Fax (0 50 21) 87 5 83 56, per E-Mail an theaterkasse@nienburg.de sowie im Internet unter www.theater.nienburg.de. Die Theaterkasse hat montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. „Last-Minute-Tickets“ für junge Leute (16 bis 25 Jahre) gibt es 30 Minuten vor der Aufführung an der Abendkasse für fünf Euro.

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