„1984 – Big Brother is watching you“ heißt es im Nienburger Theater auf dem Hornwerk. Das Stück nach dem Roman von George Orwell ist am Dienstag, 12. Dezember, um 20 Uhr zu sehen. Eine speziell für Schulklassen vorgesehene Vormittagsvorstellung am folgenden Tag musste leider mangels ausreichender Nachfrage abgesetzt werden. Für Schulklassen gibt es allerdings auch bei der Abendveranstaltung deutlich ermäßigte Kartenpreise.

Im Staat Ozeanien ist man nie allein: Überall hängen „Telescreens“, die nicht nur alles hören und sehen, sondern auch Propaganda verbreiten, manipulierte Nachrichten melden oder Hass schüren gegen vermeintliche Staatsfeinde wie Emmanuel Goldstein, angeblich Kopf einer Untergrundorganisation. Die Freiheit des Individuums ist abgeschafft, Kinder werden schon von klein auf zu skrupellosen Denunzianten herangezogen. Als kleines Rädchen im Getriebe der Partei lebt Winston Smith ein tristes Dasein. Seine Arbeit im Wahrheitsministerium, das Umschreiben und Korrigieren von Artikeln im Sinne der Parteilinie, lässt ihn nach und nach an dem System zweifeln.

Er beginnt Tagebuch zu schreiben – „für die Zukunft, für die Ungeborenen“ – und begeht damit das schlimmste aller Verbrechen: das Denkverbrechen. Gemeinsam mit Julia, seiner Geliebten und Mitwisserin, beschließt er, mit der Untergrundorganisation um Emmanuel Goldstein Kontakt aufzunehmen. Sie vertrauen sich O’Brien an, in dem sie glauben einen Gleichgesinnten erkannt zu haben, und ahnen nicht, dass die Gedankenpolizei ihnen längst auf der Spur ist. Bald steht nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Liebe auf dem Spiel.

Fast 70 Jahre nach ihrem Erscheinen ist die Story aus “1984” aktueller denn je. Denn spätestens seit Edward Snowden wissen wir, dass sich durch neuartige Technologien ganz neue Möglichkeiten staatlicher Kontrolle und der Verbreitung gefälschter Fakten eröffnet haben. Robert Icke und Duncan Macmillan fragen in ihrer neuen Bühnenfassung, wie sehr man Nachrichten ungeprüft trauen darf und welchem Wechselspiel Wahrheit und Propaganda unterliegen. „1984“ wirkt dadurch politischer denn je.

Seit vielen Jahren bietet das Nienburger Theater speziell für die weiterführenden Schulen altersgerechte Inszenierungen an. Die Reihe „Theater für Schulen“ beinhaltet regelmäßig Vormittagsaufführungen für die verschiedenen Altersstufen. „In letzter Zeit scheint es viel schwieriger geworden zu sein, schulische Belange und Theaterbesuche unter einen Hut zu bringen. Für die geplante Schulvorstellung von ´1984` sind bedauerlicherweise viel zu wenige Anmeldungen eingegangen, daher mussten wir die Vorstellung leider absetzen“, bedauert Theaterleiter Jörg Meyer. Er appelliert deshalb an die Lehrerinnen und Lehrer: „Nutzen Sie unsere Angebote und sprechen Sie uns bitte an, wenn Sie Wünsche und Anregungen haben.“

Für beide Vorstellungen sind noch Karten erhältlich an der Theaterkasse im Stadtkontor, Kirchplatz 4 in Nienburg, Telefon (0 50 21) 8 72 64 und 8 73 56, Fax (0 50 21) 87 5 83 56, per E-Mail an theaterkasse@nienburg.de sowie im Internet unter www.theater.nienburg.de. Die Theaterkasse hat montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. „Last-Minute-Tickets“ für junge Leute (16 bis 25 Jahre) gibt es 30 Minuten vor der Aufführung an der Abendkasse für fünf Euro.

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