Zum Foto: Am unteren Abschnitt des Berliner Ringes wird der Fahrradverkehr rechts auf dem Fußweg geführt. Einen geschützten Radfahrstreifen empfiehlt hier der ADFC.

Mit dem Lärmaktionsplan der Stadt Nienburg hat sich jetzt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) beschäftigt. Beim letzten Themenabend haben sich die Verbandsmitglieder die von der Stadt Nienburg im August 2018 in Auftrag gegebene Untersuchung genauer angesehen. Kernstück ist die Dokumentation der Lärmwerte durch den Kraftfahrzeugverkehr und mögliche Maßnahmen zur Abhilfe. Die für Nienburg vorgestellten Lärmwerte weisen auf einen akuten Handlungsbedarf hin. An nahezu allen Hauptverkehrsstraßen wurden auch für die Nacht überhöhte Werte festgestellt. Genannt werden Lärmdaten um die 60dB, die gesundheitliche Beeinträchtigungen der Anwohner erwarten lassen.

„Interessant für uns ist, dass der Lärmaktionsplan sich u.a. ‚vorrangig‘ für den Ausbau des Radwegenetzes der Stadt ausspricht“, so Berthold Vahlsing, Sprecher des ADFC. „Unsinnige Kurzfahrten mit dem Fahrzeug könnten durch den Fahrradverkehr ersetzt werden, wenn ausreichend sinnvolle und sichere Verkehrsflächen für den Radfahrer zur Verfügung stehen würden.“ Der Nachholbedarf sei erheblich. Deshalb wird der Lärmaktionsplan als willkommene Unterstützung auf dem Wege zur Umsetzung des 2016 erneut beschlossenen Radverkehrskonzeptes der Stadt Nienburg gewertet.

Die Europäische Union hat die Mitgliedsstaaten bereits 2002  aufgefordert, die gesundheitlichen Belastungen durch Verkehrslärm zu verringern. Dazu beitragen könnten weiterhin die im Maßnahmenkatalog vorgesehenen Geschwindigkeitsreduzierungen in Abschnitten auf Tempo 30 auf den Hauptverkehrsstraßen. Geringere Höchstgeschwindigkeiten trügen zu mehr Stetigkeit der Verkehre bei, wird in der Untersuchung genannt. „Das würde auch den Radfahrern entgegenkommen, besonders auf Abschnitten  mit Fahrradverkehr auf der Fahrbahn“, so der ADFC.

Als interessant wurde von den ADFC-Mitgliedern erachtet, dass  Fahrbahnbreiten zugunsten des Fahrradverkehrs verringert werden sollten, um Verkehrslärm zu senken. Dadurch würden die Fahrradspuren attraktiver. Für den unteren Berliner Ring schlägt das Gutachten gar die Einziehung  zweier Fahrbahnen im jetzigen vierspurigen Abschnitt vor. Es ständen  damit Flächen für beidseitige Radfahrstreifen zur Verfügung. „Mit der Freigabe des Südringes wurde dieses Szenario gemeinsam mit der Stadt bereits angedacht“, unterstreicht der ADFC-Sprecher. „Dem Fahrradverkehr wären diese Maßnahmen zuträglich.“

Für Anlieger an den innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen können sich  die Vorschläge zur Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h und 70 Km/h auf der  B6-Umgehung in der Nacht sehr vorteilhaft auswirken. Diese Maßnahmen  ließen sich ohne sehr großen Kostenaufwand umsetzen. Die auch genannten  Lärmschutzwände und Flüsterfahrbahnbeläge bedürften einer Planung und  seien in der Realisierung eher langfristig zusehen.

Im politischen Bereich wurde der Plan von der PGT Umwelt und Verkehr aus Hannover im Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Nienburg vorgestellt. Das Thema wurde im Dezember vertagt, um in den Fraktionen diskutiert werden zu können. „Wir werden uns dafür einsetzten, dass das Thema in der Gespräch bleibt“, schreibt der ADFC.

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