Erstmalig ist das Schauspiel nach dem Roman von Siegfried Lenz auf der Bühne zu erleben 

Nienburg. Am Mittwoch, 28. September, um 20 Uhr zeigt das Nienburger Theater das Schauspiel „Deutschstunde“ in sieben Bildern nach dem Roman von Siegfried Lenz in einer Inszenierung der „a.gon Theaterproduktion“ (München) mit dem TV- und Theaterstar
 Max Volkert Martens in der Hauptrolle. Noch nie war die „Deutschstunde” auf einer Bühne zu sehen. Die neue Bühnenfassung – die erste von Autor und Verlag autorisierte – ist also eine kleine Sensation.

Siegfried Lenz, Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, beschäftigt sich in der „Deutschstunde“ mit der für Deutschland durchaus typischen Thematik, dass Pflichterfüllung als Erziehungsideal lange vor Menschlichkeit ging, ganz besonders während der NS-Herrschaft. Der vielfach ausgezeichnete israelische Schriftsteller Amos Oz über Lenz: „Einer der wichtigsten Vertreter der Weltliteratur. Man stellt sich die Frage: Wie hätte ich mich damals verhalten? Lenz bringt uns dazu, darüber nachzudenken“. Die „Deutschstunde“ ist nach wie vor Pflichtlektüre im Schulunterricht. Nicht ohne Grund, denn Siegfried Lenz hat sich damit „zum Volksschriftsteller der deutschen Nachkriegsliteratur geschrieben“, wie Marcel Reich-Ranicki treffend bemerkte.

In ausgewählten Szenen konzentriert sie das Geschehen auf das Kernthema, den Aufsatz über „Die Freuden der Pflicht“, den der 20-jährige Siggi Jepsen 1954 in einer Besserungsanstalt schreiben soll. Zunächst bleibt das Blatt leer, doch dann kann Siggi kein Ende finden – Heft um Heft füllt sich. Zu sehr beschäftigt ihn, was er als Kind und Jugendlicher während des Krieges erleben musste: Sein Vater, der kleine Dorfpolizist Jens Ole Jepsen, hatte seinen Jugendfreund, den als „entartet“ gebrandmarkten und mit Berufsverbot belegten Maler Max Ludwig Nansen, bespitzelt, überwacht und denunziert. (Vorlage der Figur ist der berühmte Expressionist Emil Nolde). Pflichterfüllung ging vor Menschlichkeit. Und selbst nach dem Ende des Regimes verfolgte Jepsen den Maler beharrlich weiter – seine Mission schien keinen Auftrag mehr zu brauchen. Lenz wurde nicht nur zum genialen Denker über die deutsche Nazi-Diktatur, sondern auch zum menschlichen Botschafter zwischen dunkler Vergangenheit und demokratischer Gegenwart – vor allem mit der „Deutschstunde“, in der er das Unvorstellbare vorstellbar machte, getreu seinem Motto: „Ich schreibe, um die Welt zu verstehen.”

Karten sind erhältlich an der Theaterkasse im Stadtkontor, Kirchplatz 4, 31582 Nienburg/Weser, Telefon (0 50 21) 8 72 64 und 8 73 56, Fax (0 50 21) 87 5 83 56, per E-Mail unter theaterkasse@nienburg.de sowie im Internet unter www.theater.nienburg.de. Die Theaterkasse hat montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 13 Uhr geöffnet.

Teile als Erster diesen Beitrag!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.