Feuerwehr Nienburg zu Gast in Weißrussland

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Gruppenfoto Belaruswerk

Seit dem Jahre 1995 besteht im Rahmen der Städte- und Landkreispartnerschaft Witebsk/Belarus und Nienburg/Weser eine Partner- und Freundschaft zwischen der Feuerwehr Witebsker Gebiet und der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Nienburg/Weser.

Eine Reisegruppe unter Leitung von Ehrenstadtbrandmeister Wilhelm Schlemermeyer und Stadtbrandmeister Stephan Ottens fuhr mit einem Pkw und Kleinbus nach Belarus und nahm damit erneut eine Einladung eine Einladung der Feuerwehr Witebsker Gebiet an. Ein tolles Besuchsprogramm mit den Schwerpunkten Besichtigung und das Erleben wirtschaftlicher, touristischer und kultureller Angebote des Landes und insbesondere des Witebsker Gebietes zum weiteren Kennenlernen hatte die dortige Feuerwehr organisiert. Ein Höhepunkt der Reise war der Besuch im belarussischen Parlamentsgebäude in Minsk. Der frühere Leiter der Feuerwehr Witebsker Gebiet, Oberst a.D. Vasili Chekan, langjähriger Akteur, Begleiter und Freund der Feuerwehrfreundschaft, ist inzwischen als Abgeordneter in das belarussische Parlament gewählt worden. Er empfing die Reisegruppe in seinen Arbeitsräumen und führte sie im Rahmen einer Besichtigung durch das Parlamentsgebäude, das als Repräsentantenhaus der Nationalversammlung der Republik Belarus benannt ist und in dem das Unterhaus mit seinen 110 Abgeordneten (2. Kammer) arbeitet und tagt.In Belarus besteht das Zweikammersystem. Die 1. Kammer (Oberhaus) der Nationalversammlung wird durch den Rat der Republik gebildet. Ein Informationsaustausch fand statt, in dem der Abgeordnete Chekan den Wunsch äußerte, bei seinem nächsten Besuch in Nienburg sich auch mit einem Vertreter des Bundestages zu Belarus und Deutschland betreffenden Themen austauschen zu können.

Die Reisegruppe war zum Programm nach besonderen Besichtigungswünschen gefragt worden. So wurde auf Vorschlag eines jungen Reiseteilnehmers, der sich in Ausbildung zum Mälzer und Bierbrauer befindet, die Brauerei Kriniza in Minsk im Rahmen einer Betriebsführung mit laufender Produktion besichtigt. Dort werden ca. 29 Mio. Liter Bier jährlich in
unterschiedlichen Sorten und Gebinden gebraut und für den Markt hergestellt. Der Betrieb ist überwiegend mit deutscher Brautechnik und hochmodern ausgestattet. Er arbeitet nach den aktuell bekannten Hygienebestimmungen. Ein Unterschied zu deutschen Brauereien war hier kaum zu erkennen. Es bestand die Möglichkeit, die Produkte des Betriebes zu probieren. Ein weiterer Wunsch war die Besichtigung des Belarus Traktorenwerkes in Minsk. Mit der Be-
triebsführung über das 150 ha große Betriebsgelände wurde die Produktionsstätte in den wesentlichen Fertigungs-bereichen vorgestellt. Die Firma produziert hier jährlich ca. 30.000 Traktoren überwiegend für den osteuropäischen Markt. Bei vollem Betrieb wird jede fünf Minuten ein Traktor fertig gestellt. Die Produktion der einzelnen Bauteile u.a. mit deutscher Maschinenbautechnik und die Zusammensetzung am Fließband hinterließen auch hier einen anerkennenden bleibenden Eindruck.

Die weitere Reise führte in den Rayon Glubokski, Witebsker Gebiet. Im Ort Plizza hat ein privater Investor eine Hotel- und Wellnessanlage an einem See errichtet, in dem die Reisegruppe wohnte. Wahrgenommen wurde während der Reise auch in andere Orte, das Belarus, das sehr viel mit vorhandener und erhaltener Natur überzeugen kann, sich intensiv mit der Nutzung der eigenen Ressourcen beschäftigt und versucht, mit derartigen Anlagen das Land weiter touristisch zu erschließen, um den Arbeitsmarkt zu beleben und an Einnahmen zu gelangen. Diese Angebote werden offensichtlich schon stark aus dem Nachbarland Russland angenommen. Die Werbeaktivitäten sind aber auch nach dahin
ausgerichtet und noch nicht, wie man anhand der Prospekte nachvollziehen konnte, nach den westlichen Ländern. Interessant ist, dass der ohnehin schon immer gut entwickelte kulturelle Bereich weiter erschlossen und aufgebaut wird, was sicherlich auch für mehr Interesse des Tourismus sorgt. Ein Beispiel hierfür ist die besuchte mittelalterliche Stadt Polozk mit ihren Denkmälern und Museen. Ein besonderes Erlebnis war die Exkursion über
den ökologischen Lehrpfad durch das Moor Elnja bei dem Ort Kanachi. Die Exkursion führte mit einem Spezial-Moorfahrzeug an das Moor und zu Fuß über einen aus Holz angelegten Steg in die Tiefe des Moores. Ein Mitarbeiter der dortigen Naturschutzverwaltung informierte eingehend zum Moor und seiner herausragenden Bedeutung. Belarus verfügt über eine Vielzahl und große Flächen von Mooren, das Moor Elnja gehört zu den bisher Unberührtesten, ist geschützt als Weltnaturerbe, wird von vielen Wissenschaftlern und Fachleuten besucht, untersucht und weiterentwickelt. Erkenntnisse aus Studien über dieses ca. 200 km² große Moor dienen für weitere Ideen und Entwicklungen im Klimaschutz. Wie wichtig Moore für den Klimaschutz sind, erkennt man auch u.a. daran, dass Deutschland in die
Wiedervernässung großer Moorflächen in Osteuropa über die Michael-Succow- Stiftung projektmäßig investiert und zunächst ca. 10.000 ha schon entwässerte Moore in Belarus wiedervernässen läßt, um zu wissenschaftlich belegen zu lassen, wie dadurch Treibhaus-Emissionen vermieden werden können und um darüber weiter in den Klimaschutz zu
investieren. Ein Besuch des Ortes Mekani im Nationalpark Braslavseen ergänzte die Informationen zur Traditionskultur mit Museen, zur natürlich belassenen Natur und mit weiteren Kenntnissen zu neuen touristischen Entwicklungen in Belarus.


Trotz des umfangreichen Reiseprogramms und der Größe des bereisten Gebietes kam auch der feuerwehrfachliche Austausch bei verschiedenen Veranstaltungen nicht zu kurz. Die Pflege und Vertiefung der Freundschaft fand wieder im Zuge von Kameradschafts- und Folkloreabenden statt. Die Aktivitäten der Feuerwehrpartnerschaft beschränken sich in diesem Jahr jedoch nicht allein auf diese Partnerschaftsreise. Eine Jugendfeuerwehrgruppe aus Witebsk nahm bereits auf Einladung der Stadt- und Kreisfeuerwehr auch in diesem Jahr wieder am Kreiszeltlager der Jugendfeuerwehren des Landkreises in Stolzenau teil. Außerdem ermöglichte die Stadt und die Freiwillige Feuerwehr Nienburg/Weser zwei weißrussischen Studenten, die aus Feuerwehrfamilien aus dem Witebsker Gebiet stammen, einen vierwöchigen Studienaufenthalt in Nienburg zum Kennenlernen der Partnerstadt und des weiteren Umfeldes. Sie wurden von einem Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Nienburg aufgenommen. Mit der Teilnahme am Langendammer Scheibenschießen wurde ihnen gelebte deutsche Tradition vermittelt. Mit Besichtigungen und Tagesreisen in verschiedene Städte sowie Teilnahme an Veranstaltungen wurde ihnen von den Partnerschaftsakteuren der Feuerwehr ein umfangreiches Kennenlernprogramm geboten. Im nächsten Jahr wird in Nienburg wieder eine Jugendgruppe aus Witebsk zum Kreiszeltlager erwartet. Außerdem wird eine Erwachsenengruppe aus Witebsk zum Gegenbesuch eingeladen.

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